Okay, okay – ich geb’s zu: Ich bin auch eine von denen, die ständig rufen: „Iss mehr Protein!“
Und ja, das meine ich auch ernst. Denn viele Frauen – vor allem mit hormonellem Ungleichgewicht – essen zu wenig davon. Gerade wenn du ständig müde bist, PMS hast oder das Gefühl hast, dein Zyklus tanzt Samba… da kann Protein helfen, klar.
ABER: (Und das „Aber“ hat hier ein fettes Ausrufezeichen verdient!)
Mehr ist nicht immer mehr. Und genau darüber müssen wir reden. In diesem Artikel möchte ich dir erklären, warum Protein nicht gleich Protein ist und warum mehr nicht immer besser ist.
Der Protein-Hype – und warum er dir nicht automatisch guttut
Vielleicht kennst du das auch: Du willst gesünder essen oder abnehmen – und überall schreien dich diese High-Protein-Shakes an. Mit Vanillearoma und „Lean Body“-Versprechen.
Oder du fängst ’ne Low Carb Challenge an, isst plötzlich nur noch Quark, Eier und Hähnchen… und fühlst dich wie ein Ziegelstein mit Kreislauf.
Been there. Done that.
Ja, Protein macht satt. Es hilft beim Muskelaufbau. Und klar – es ist für die Hormonproduktion super wichtig. Aber:
Zu viel davon? Kann deinen Körper (und vor allem deine Hormone) ganz schön stressen.
Was sind Proteine und wozu brauchen wir sie?
Neben Fetten und Kohlenhydraten gehören Proteine zu den sogenannten Makronährstoffen und sind somit ein Energielieferant für unseren Körper. Wir müssen sie täglich mit der Nahrung aufnehmen, um ausreichend mit ihnen versorgt zu sein.
Proteine bestehen aus Aminosäuren, und ja, sie sind lebenswichtig: Sie reparieren Gewebe, unterstützen deinen Zyklus, helfen beim Muskelaufbau und halten dein Immunsystem fit.
Ohne ausreichend Eiweiß kann dein Körper wichtige Hormone nicht optimal bilden. Auch wenn Sexualhormone wie Östrogen und Progesteron hauptsächlich aus Cholesterin entstehen, sind Proteine unverzichtbar für ihre Produktion, ihren Transport und ihre Wirkung. In den verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus – insbesondere der Follikel- und Lutealphase – benötigt unser Körper bestimmte Aminosäuren wie Tyrosin, Tryptophan und Glycin, um Hormone wie Östrogen, Progesteron sowie Neurotransmitter wie Dopamin zu produzieren.
Aber: Mehr Eiweiß = mehr Hormonpower? Leider nein.
In der Welt der Ernährung und Fitness genießen Proteine einen fast mythischen Status. Tatsächlich bietet eine proteinreiche Ernährung einige nachweisbare Vorteile: Sie kann die Sättigung fördern, den Muskelaufbau unterstützen und den Stoffwechsel ankurbeln. Einige Ernährungsratgeber gehen jedoch oft noch weit darüber hinaus. Proteinen wird darin beinahe eine Wunderwirkung beim Gewichtsverlust zugeschrieben und es wird empfohlen, möglichst eiweißreich und dafür kohlenhydratarm zu essen. Aber ist es wirklich so einfach?

Was passiert, wenn du’s mit dem Eiweiß übertreibst?
Wenn du mehr Protein isst, als dein Körper gerade braucht, muss er mit dem Überschuss irgendwie klarkommen. Und da kommt’s:
Das bedeutet Stress für Leber, Nieren und ja – auch für dein Hormonsystem.
Der Körper nutzt überschüssige Aminosäuren entweder zur Energiegewinnung (was ja wünschenswert ist) oder – wenn er gerade keine Energie braucht – wandelt sie in andere Substanzen um. Dabei entstehen aber teilweise giftige Abbauprodukte, wie etwa Ammoniak (klingt schon nicht sexy, oder?). Die Leber muss das entgiften, die Nieren alles rausfiltern. Und das, während du vielleicht eh schon unter Stress, schlechter Verdauung oder Zykluschaos leidest?
Nicht ideal.
Im Idealzustand – das heißt in einem Körper, bei dem alles in Balance ist – ist das alles nicht besonders dramatisch und der Körper kann die Entgiftung problemlos handeln. Für Frauen mit Östrogendominanz kann das allerdings knifflig sein – denn:
- Die Leber ist eh schon damit beschäftigt, überschüssiges Östrogen abzubauen.
- Kommt jetzt noch eine Eiweiß-Überflutung dazu, ist sie schnell überfordert.
- Ergebnis? Noch mehr PMS, Wassereinlagerungen, Stimmungstiefs – der Klassiker.
Blähbauch, Verstopfung, Stimmungstiefs?
Wenn du plötzlich viele Proteine isst, vor allem tierische, kann das auch deiner Verdauung die Stimmung verhageln.
Viele berichten von Blähungen, Verstopfung oder sogar Übelkeit.
Warum? Ganz einfach:
Eine proteinlastige Ernährung ist oft ballaststoffarm, vor allem wenn du Kohlenhydrate reduzierst.
Und Ballaststoffe sind das Futter für deine Darmflora – die übrigens eine Schlüsselrolle bei der Östrogenverstoffwechslung spielt.
Wenn deine guten Darmbakterien unterversorgt sind, wird’s auch hormonell schwierig.
Östrogene können nicht mehr richtig abgebaut werden → sie zirkulieren im Körper → Hallo Östrogendominanz.
Außerdem: Bestimmte Eiweißquellen (v. a. tierische) können bei unzureichender Verdauung Fäulnisprozesse im Darm verursachen – das belastet nicht nur deinen Bauch, sondern auch dein Immunsystem.

Die Low Carb & Keto-Falle – besonders für Frauen
Viele Frauen, die sich hormonell „resetten“ wollen, landen früher oder später bei Low Carb oder Keto.
Und ja – kurzfristig fühlt man sich oft energiegeladener, „klarer im Kopf“ und nimmt ab.
Aber hormonell gesehen ist das langfristig oft der Beginn vom Chaos.
Was dabei passiert:
- Dein Körper schaltet in den Stressmodus, weil Glukose fehlt.
- Die Nebennieren schütten vermehrt Cortisol aus – das hemmt Progesteron und lässt Östrogen dominieren.
- Deine Schilddrüse bekommt nicht genug Energie – der Stoffwechsel drosselt.
- Die Leber wird überfordert – der Östrogenabbau stockt.
Und dann klopfen sie an, die Klassiker:
- PMS
- Haarausfall
- Erschöpfung
- Schlafprobleme
- und manchmal sogar ein kompletter Zyklusstillstand
Protein & Alterskrankheiten: Was Studien sagen
Sind wir ehrlich: Das Thema Alterung lässt keine Frau kalt. Obwohl ich Frieden mit meinem Körper und seinen kleinen Unperfektheiten geschlossen habe, freue ich mich dennoch darüber, wenn die Falten noch etwas länger auf sich warten lassen.
Was haben aber Proteine mit Alterung zu tun?

Wer mich kennt, weiß, ich liebe Studien. Daher hier mal ein paar Studienergebnisse zum Thema Proteine und Alterung:
Eine Langzeitstudie der University of Southern California unter der Studienleitung von Valter Longo – einem Langlebigkeitsforscher – mit mehr als 6300 Teilnehmern, die mehr als 20 Jahre begleitet wurden und hinsichtlich ihrer Ernährungsgewohnheiten befragt wurden, zeigte, dass ein hoher Eiweißkonsum (d.h. die Teilnehmer hatten eine Aufnahme von mehr als 20 % ihrer Nahrung) das Risiko an Krebs zu sterben, um mehr als das Vierfache nach oben trieb, zumindest bei den Teilnehmern im Alter zwischen 50 und 65. Bei den Personen mit einem moderaten Eiweißkonsum (10-19 %) lag das Risiko an Krebs zu sterben immer noch dreimal so hoch wie bei den Personen mit niedrigem Proteinkonsum.
Neben Krebs stieg mit dem Eiweißkonsum aber die Rate der Personen mit anderen Erkrankungen an, wie zum Beispiel Diabetes. Insgesamt erhöhte sich das Risiko für einen vorzeitigen Tod bei den Teilnehmern mit einem Proteinanteil von 20 % und mehr um erschreckende 74 %. Valter Longo sagte in diesem Zusammenhang, dass ein hoher Proteinkonsum ebenso schädlich für den Körper sei, wie Rauchen.
Interessanterweise wurde in der Studie ebenfalls festgestellt, dass die erkannten Zusammenhänge zwischen Krankheiten und Eiweißkonsum nur für diejenigen galt, die tierisches Eiweiß zu sich nahmen. Bei den veganen Teilnehmern der Studie, bei denen das Eiweiß überwiegend aus pflanzlichen Quellen wie Hülsenfrüchten, Nüssen oder Samen stammte, waren die negativen Effekte so gut wie nicht mehr vorhanden.
Mehr zu den Unterschieden zwischen tierischem und pflanzlichem Protein kannst du hier lesen.
Was du tun kannst – für hormonelle Balance statt Überforderung
Hier ein paar einfache Leitplanken, die ich auch mit meinen Klientinnen nutze:
💚 1. Wähle proteinreiche Lebensmittel bewusst
- Pflanzlich bevorzugt: Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Tofu
- Tierisch nur in guter Qualität & maßvoll: Eier, Bio-Geflügel, Fisch
- Vermeide: Ultra-verarbeitete „Proteinprodukte“, künstliche Süßstoffe, Isolate mit fragwürdigen Zutaten
📏 2. Bleib in einem moderaten Bereich
- Faustregel: 1,0 – 1,4 g Protein pro kg Körpergewicht reichen für die meisten Frauen vollkommen aus – auch wenn du sportlich bist.
🥦 3. Denk ganzheitlich – nicht nur in Makros
- Iss regelmäßig und ausgewogen: Proteine, gesunde Fette, komplexe Kohlenhydrate
- Achte auf eine stabile Blutzuckerkurve – besonders wichtig bei PMS, PCOS, Endometriose oder Schilddrüsen-Themen
- Und: Iss mit Genuss – nicht nach Regeln
Mein Fazit als Hormoncoach
Ich weiß, wie verlockend es ist, sich an Zahlen, Shakes oder neuen Diättrends festzuhalten. Und Proteine sind zweifellos ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung und erfüllen zahlreiche lebenswichtige Funktionen in unserem Körper.
Aber dein Körper ist kein Rechenschieber. Und deine Hormone schon gar nicht.
Wenn du spürst, dass dein Körper aus dem Takt geraten ist – dein Zyklus spinnt, dein Bauch rebelliert und du dich ständig „neben dir“ fühlst –
➡ Dann ist es vielleicht Zeit, weniger zu optimieren und mehr zu vertrauen.
Vertrauen in deinen Körper, deine Intuition – und deine Hormone.
Denk auch daran: eine gesunde Ernährung, die du langfristig durchhalten kannst, ist der Schlüssel zu langfristigem Wohlbefinden – und dazu gehört weit mehr als nur eine hohe Proteinzufuhr.
Wenn du lernen willst, was dein Körper dir wirklich sagt – und wie du Ernährung gezielt für dein hormonelles Gleichgewicht einsetzen kannst:
👉 Dann trag dich auf die Warteliste für meinen Kurs „Zurück in Balance“ ein.
Wir schauen uns u. a. genau diese Themen an – inklusive Proteinkonsum, Blutzucker, Leberentlastung und Zyklusphasen-Ernährung.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, schreib mir gern einen Kommentar oder teile ihn mit einer Freundin, die sich auch fragt:
„Warum esse ich eigentlich so viel Eiweiß – und fühl mich trotzdem nicht besser?“
Deine
Lena – Hormoncoach mit Herz, Klartext & fundiertem Wissen
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